Arthrose

Die Arthrose, auch Arthrosis deformans (vom lateinischen „deformare“ = verstümmeln), ist eine chronische, schmerzhafte, zunehmende, funktionsbeeinträchtigende Gelenkveränderung. Sie tritt meistens infolge eines Missverhältnisses zwischen Tragfähigkeit und Belastung oder Alterung des Gelenkes, aber auch infolge eines Gelenktraumas auf. Es handelt sich stets um eine degenerative (verschleißbedingte) Gelenkerkrankung. Im Gegensatz zur Arthritis sind bei der Arthrose die Gelenke nicht entzündet, sondern durch Abnutzung oder ein unfallbedingtes Trauma zerstört. Von einem Verschleiß durch Abnutzung ist zunächst der Knorpel betroffen, später folgen dann Veränderungen am Knochen, es bilden sich so genannte Geröllzysten und es kommt zur Bildung von Osteophyten (Knochanbauten). Wo Verletzungsfolgen einen vorzeitigen Verschleiß bewirken, redet man von einer post-traumatischen Arthrose. Großzügige operative Meniskus-Entfernungen führen etwa zwanzig Jahre später zur Arthrose des betroffenen Kniegelenkes.

Arthroseformen (die folgenden Arthroseformen beziehen sich namentlich auf das jeweils betroffene Gelenk):

  • Gelenksarthrose (auch Gonarthrose genannt – am Kniegelenk)
  • Hüftgelenksarthrose (auch Coxarthrose genannt)
  • Sprunggelenksarthrose (am oberen und unteren Sprunggelenk)
  • Omarthrose (Arthrose des Schultergelenkes)
  • Spondylarthrose (Arthrose der Wirbelgelenke)
  • Heberden-Arthrose (Arthrose der Fingergelenke)
  • Bouchard-Arthrose (Arthrose der Fingermittelgelenke)
  • Cubitalarthrose (Arthrose des Ellenbogengelenkes)
  • Rhizarthrose (Daumensattelgelenksarthrose)
  • Hallux rigidus (versteifende Arthrose des Großzehengrundgelenkes)
  • Hallux valgus (Fehlstellung der Großzehe)Ileosacralgelenksarthrose (Arthrose der Kreuz-Darmbeingelenke)

Die folgenden Arthroseformen bezeichnen den Status beziehungsweise die Herkunftder Arthrose:

Präarthrose: Hierbei handelt es sich um die Vorstufe einer Arthrose, zum Beispiel aufgrund einer Unterentwicklung (Dysplasie, Hyperplasie) eines Gelenkes (beispielsweise eine angeborene Hüftkopfdysplasie).

Posttraumatische Arthrose ist die aus einer Verletzung resultierende Arthrose, die zu einem vorzeitigen Verfall führt.

Polyarthrose, multiple Arthrose wird die Arthrose genannt, wenn sie an vielen Gelenken gleichzeitig auftritt.

Pseudoarthrose nennt der Mediziner ein aus einem nicht verheilten Knochenbruch entstandenes Falschgelenk.

Entstehung der Arthrose:

Der Anfang der Arthrose ist ein Knorpelschaden; gleichwohl muss nicht jeder Knorpelschaden zu einer Arthrose führen. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich die individuelle Ausprägung des menschlichen Immunsystems. Durch eine mechanische Verletzung treten die Autoantigene, zumeist Proteoglykane (Eiweiß-Zucker-Verbindung) aus dem Knorpel heraus und bewirken eine Immunantwort gegen sich selbst. Dadurch wird der Knorpel neben der mechanischen Schädigung zusätzlich biochemisch angegriffen. Dieser Schaden führt zu einem gesteigerten Abrieb der gelenkbildenden Oberfläche; es kommt zu einem Verlust an Knorpelsubstanz und im Röntgenbild verschmälert sich der Gelenkspalt. Die mechanische Dämpfungsfunktion der Knorpelschicht verschlechtert sich, der unter dem Knorpel gelegene Knochen wird vermehrtem mechanischem Stress ausgesetzt. Auf diesen Stress reagiert der Knochen mit einer Verdichtung seiner Binnenstruktur. Diesen Vorgang bezeichnet man als „Eburnisation“, der Knochen wird hier mit Elfenbein verglichen. Wenn der Verfall des Gelenkes so weit fortgeschritten ist, beginnt sich der Knochen zu verformen. Der Körper versucht, die Auflagefläche des Gelenkes zu verbreitern, es bilden sich Osteophyten. Durch mechanische Überlastung bricht die Knochenbinnenstruktur unterhalb der Knorpelschicht stellenweise zusammen, es bilden sich Löcher, die als Geröllzysten bezeichnet werden.

Man unterscheidet in der Medizin zwischen der primären und der sekundären Arthrose. Bei der primären Arthrose ist die Krankheitsursache unbekannt, während die sekundäre Arthrose als Folge einer primären Ursache entsteht. Die Literatur gibt an, dass es sich bei 80 % der Fälle um eine primäre und bei den verbleibenden 20 % um eine sekundäre Arthrose handelt.

Knorpelschadensgrade:

Ein wichtiges Kriterium zur Beurteilung des Verlaufes und der Therapieoptionen bei einer Arthrose ist der Knorpelschadensgrad. Hierbei wird die Schädigung des Knorpels in vier Schadensstufen, so genannte Grade, eingestuft. Dabei muss der objektiv festgestellte Schadensgrad nicht zwangsläufig mit den subjektiv vom Betroffenen empfundenen Beschwerden korrespondieren. Manche Betroffene haben mit einem Schadensgrad II bereits starke Schmerzen, während andere mit einem festgestellten Schadensgrad IV kaum Beschwerden haben. Die konkreten Auswirkungen können also von Einzelfall zu Einzelfall erheblich voneinander abweichen.

Grad I:

Weiße Knorpeloberfläche, noch keine Schädigung der Knorpeloberflächenschicht.

Grad II:

Betroffen sind nur oberflächliche Knorpelschichten, leichte Schäden in der Knorpelzellstruktur, aufgeraute Oberfläche.

Grad III:

Tiefe Knorpelbrüche, die mit bloßem Auge erkennbar sind; Knorpelschäden bis zum darunter liegenden Knochen.

Grad IV:

a) Knorpelzerstörung mit bereits lokal frei liegendem Knochen

b) Schwere Gelenkschädigungen, bei denen es bereits zu einer völligen Zerstörung der Knorpelschicht, mit danach völlig frei liegendem Knochen gekommen ist

c) Geröllzyste (Loch im Gelenkknochen). Der Knochen selbst ist entweder durch Verletzungen traumatisch geschädigt oder (nach völligem Knorpelverbrauch) selbst aufgebraucht

Symptome:

Die Arthrose beginnt in den meisten Fällen schleichend und verläuft zunächst langsam. Was mit leichten, belastungsabhängigen Schmerzen beginnt, kann sich als Anfang der Erkrankung herausstellen. Später kommt es bei den Betroffenen zu Veränderungen im Bereich der gelenknahen Knochen, der Gelenkschleimhaut und der Gelenkkapsel sowie der Muskulatur.

Weitere mögliche Folgen sind eine Schwellung der Gelenkes, gegebenenfalls mit Gelenkerguss – so genannte aktivierte Arthrose – und eine zunehmende Deformation, also eine Verformung, des Gelenkes. Typisch sind Anlaufschmerzen und im Verlauf insbesondere „Nachtschmerzen“ während der Nachtruhe, später Schmerzen auch in Ruhe, vornehmlich in bestimmten Positionen, in denen die Schädigung besonders wirksam ist. Bei der Untersuchung fallen zum einen im Röntgenbild die veränderte Form, eventuell eine Schwellung auf. Zum anderen sind – nach Abrieb der gleitenden Knorpelsubstanz – bei der Bewegungsprüfung auftretende Gelenkgeräusche durch zunehmende Unebenheiten und Zysten wahrnehmbar. Hier reibt dann bereits nackter Knochen auf Knochen. Abriebvorgänge führen auch dazu, dass der Bandapparat des Gelenkes gelockert wird. Umgekehrt führt auch ein länger andauernder Schiefstand von Knochen zu einer Arthrose benachbarter Gelenke.

Lokalisation:

Die meisten Arthrosen entstehen in den Gelenken, die durch die Schwerkraft und durch Überlastung, inklusive Traumata durch Unfälle, besonders intensiv und häufig belastet sind.

Hierzu gehören Knie-, Hüft- und Sprunggelenke, aber auch die dadurch primär oder sekundär besonders belastete Wirbelkörper. Die verminderte Beweglichkeit und Belastbarkeit verändert Haltung und Gang der Betroffenen, was sich sogar negativ auf die Wirbelsäulenstatik auswirkt. Rückenschmerzen, eventuell gar schwere degenerative Veränderungen der Wirbelsäule sind die Folge. Einseitige beruflich bedingte Belastungen können ebenfalls zu Arthrosen führen. Als Beispiel genannt sei an dieser Stelle die als Berufskrankheit offiziell anerkannte Arthrose des Ellenbogens, die bei Menschen auftritt, die lange Zeit an einem Presslufthammer gearbeitet haben.

Diagnostik:

Der Patient berichtet bei der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) über Gelenkschmerzen. Anschließend muss geklärt werden, bei welchen Gelegenheiten dieser Schmerz auftritt. Es folgen die klinischen Untersuchungen der Gelenkkontur, der Funktion, der Bandstabilität und der umgebenden Muskulatur. Nach Erfordernis schließt sich hieran gegebenenfalls eine bildgebende Diagnostik an, also Röntgen, Computer-Tomographie (CT) oder Magnetresonanz-Tomographie (MRT). Bietet sich ein Befund für eine minimal-invasive Intervention an, kann eine Arthroskopie notwendig werden. Die Entwicklung der Arthroskopie über die letzten Jahre hat etliche Gelenke für diese elegante Form des operativen Eingriffes zugänglich gemacht. Am häufigsten werden Arthroskopien am Kniegelenk durchgeführt, auch um beispielsweise präoperativ abzuklären, welcher Typ Endoprothese im Einzelfall sinnvoll ist. Meistens bedient man sich der Arthroskopie jedoch, um zeitgleich mit der Diagnostik auch die erforderliche Sanierung des Gelenkes vornehmen zu können.

Therapie:

Da es sich bei der Gelenkarthrose um eine fortschreitende Erkrankung handelt, ist diese letztendlich nur durch den Ersatz des betroffenen Gelenkes, durch ein Kunstgelenk oder eine Prothese, heilbar. Die permanente Weiterentwicklung in der Medizin, insbesondere die Verbesserungen der minimal-invasiven arthroskopischen Verfahren, eröffnet allerdings die Möglichkeit, durch entsprechende operative Maßnahmen die Arthrose aufzuhalten und deren Beschwerden – zum Teil auch langfristig – zu lindern. Ergänzende medikamentöse und physikalische (krankengymnastische) Therapien sind ebenfalls häufig in der Lage, ein Fortschreiten der Arthrose zu verhindern.

Letzte Änderung: 30.12.2011

Chefarzt

Dr. Hans-Gerd Schmitz (Foto: Kistner)

Dr. Hans-Gerd Schmitz
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle orthopädische Chirurgie, Rheumatologie, Chirotherapie, Sportmedizin, Physikalische Therapie

Leitender Orthopäde

Martin Händler
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Rheumatologie, Chirotherapie

Leitender Unfallchirurg

Wolfgang Malß
Facharzt für Chirurgie
und Unfallchirurgie

Oberarzt

Klaus Freudewald
Facharzt für Chirurgie

Sekretariat

Claudia Höcker

Telefon 02051 982-2005

Stationen

Station 13
Station 22
Station 23
Wahlleistungsstation IWS
Intensivstation