Die Wolken rissen auf und bei strahlendem Sonnenschein feierte das Klinikum Niederberg nach Abschluss der Sanierung und dem Neubau der INA (Interdisziplinäre Notaufnahme) am Freitag, den 15. Juli 2011, in einem Festakt mit rund 200 geladenen Gästen die offizielle Einweihung. Als Gäste wurden neben dem Bundestagsmitglied Peter Beyer, der stellvertretende Bürgermeister Bernd Tondorf (Velbert), Bürgermeister Dr. Jan Heinisch (Heiligenhaus), weitere Vertreter aus Politik, Gesundheitswesen und niedergelassene Ärzte sowie die am Bau beteiligten Unternehmen begrüßt. Anschließend durchtrennten zehn Scheren das Band vor dem neuen INA Eingangsbereich und gaben ihn „frei“.

Mit der INA als eigenständige Abteilung des Klinikums steht den Patienten nun mit 21 Behandlungsplätzen, davon zwei Schockräumen, 1 Dienstzimmer,  sowie diversen weiteren Räumen und einem Aufenthaltsraum für Rettungsdienste mit Flatscreen Fernseher und Küchenzeile auf einer Gesamtfläche von etwa 1.200 Quadratmetern Bruttogeschossfläche eine Notaufnahme mit erstklassiger, modernster Ausstattung für die medizinische Notfallversorgung zur Verfügung. Somit ist das Klinikum Niederberg in der Lage 21 Patienten gleichzeitig zu behandeln/versorgen. Fünf Ärzte und plus weiteres medizinisches Personal sind rund um die Uhr im Einsatz.

„Eine optimale medizinische Versorgung ist uns wichtig. Gleichermaßen liegen uns die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Patienten am Herzen. Diesen Ansatz spiegelt die lichtdurchflutete, von Glas geprägte Architektur der INA wider“, freut sich Geschäftsführer Christian Engler. „Mit dem bis jetzt Erreichten sind wir zuversichtlich auch in Zukunft stets unserem Leitgedanken treu bleiben zu können: Partner für Mensch und Medizin zu sein. Das Wohl des Menschen steht bei uns als regionaler Schwerpunktversorger an erster Stelle“, ergänzt Dr. Astrid Gesang (Geschäftsführerin Klinikum Niederberg).

Entworfen und überwacht wurde das Bauprojekt vom Architekturbüro Juhr für Industriebau- und Gesamtplanung. „Optimierte Abläufe in der Patientenversorgung, kurze Wege und fächerübergreifende Versorgung für die Patienten standen bei der Planung des architektonisch attraktiven Neubaus im Mittelpunkt“, so Juhr. Ein wichtiges Entwurfskriterium für den Neubau ist seine Transparenz. Er bietet den Patienten, Besuchern und Mitarbeitern bewusst eine Atmosphäre die Vertrauen schafft.“ Die Hauptbaumaßnahme INA führte die „August Heine Baugesellschaft AG“ als Generalunternehmer durch.

Richtfest der INA (Interdisziplinäre Notaufnahme) am Klinikum Niederberg

  • So soll die INA schon im Sommer aussehen
  • Foto: B. Toporowski

Aus einer Idee wird Wirklichkeit. Am 25. Februar wurde der Richtkranz am INA Neubau des Klinikum Niederberg hochgezogen und schmückt seither den Dachstuhl. Auch die strenge Wetterlage zum Jahreswechsel hat die Arbeiten kaum aufgehalten. Wände sind gezogen, die Bodenplatte ist gegossen und das Dach ist gedeckt. In einer Bauzeit von neun Monaten wurde der Neubau hochgezogen und mit der sanierten Gebäudestruktur verbunden. Der bis zum vergangenen Jahr chirurgisch genutzte Teil der Notaufnahme wurde so umgestaltet, dass er interdisziplinär in der Phase der Haupt-Baumaßnahme für die Versorgung aller Notfallpatienten geeignet ist. Damit wurde auch die strukturelle Veränderung innerhalb der Notaufnahme auf den Weg gebracht. Der Wartebereich ist den zukünftigen Bedürfnissen bereits angepasst und in diesem Zuge der gesamte Flur im Bereich der Patientenanmeldung und der Anmeldung für die Radiologie modernisiert. Die Rettungsdienste, die vorübergehend die Notaufnahme über einen eigens zwischen Liegendeinfahrt und den provisorischen Zugang errichteten Gerüstgang erreichten, werden künftig direkt Zugang zu den Räumen der INA haben.

„Bisher ist auf der Baustelle alles planmäßig verlaufen. Die einzigen Behinderungen wurden durch den massiven Schneefall im Dezember verursacht. Diese Hindernisse wurden jedoch schnell beseitigt. Die ausführenden Firmen haben tatkräftig ihre Werkzeuge gegen Schneeschaufeln getauscht und die Schneemassen entfernt.“, so Sabine Wisniewski (Projektleiterin INA). Unter ihrer Leitung haben die beteiligten Berufsgruppen und Fachklinken am Klinikum Niederberg fachübergreifend in enger Zusammenarbeit mit den Niedergelassenen Ärzten und Rettungsdiensten und allen an der notfallmedizinischen Versorgung beteiligten Berufsgruppen, im Rahmen eines Projektes „INA“, Ideen und Strukturen entwickelt.

Wichtige Impulse setzte auch Dr. Katja Scholtes (Fachärztin für Anästhesie und Notfallmedizin), seit dem 1. Oktober Chefärztin der INA. Sie hat bereits als Chefärztin der Zentralen Notaufnahme im Klinikum Hanau Erfahrungen gesammelt, wo sie ebenfalls interdisziplinär arbeitete. Scholtes ist begeistert von der Leidenschaft mit der die Kolleginnen und Kollegen sich am Konzept der INA beteiligen: „Die Mitglieder der Projektgruppe haben großen Einsatz und Engagement in ihrer Arbeit bewiesen. Allein im Jahr 2010 wurden fast 3.000 Arbeitsstunden in das Projekt INA investiert. Manche Themen wurden heiß diskutiert, die gefällten Entscheidungen immer konsequent umgesetzt. Hierbei hat die Projektgruppe besonderen Wert auf die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit gelegt.“ Der INA  Neubau wird im Klinikum Niederberg mit großer Spannung beobachtet, am meisten natürlich von den Mitarbeitern der INA selbst, die der Fertigstellung entgegen fiebern. Im Sommer wird die Eröffnung der neuen INA intern gefeiert werden können und im Herbst werden die neuen Räume an einem ’Tag der offenen Tür’ für alle Besucher zugänglich sein.

Interdisziplinäre Notfallaufnahmen haben sich als zentrale Einrichtungen von Krankenhäusern bewährt. Am Klinikum Niederberg wurde diese neue organisatorische Struktur nun umgesetzt. Kostenvolumen: rund 3,5 Millionen Euro.

 

Hintergrund

Notaufnahmen in deutschen Krankenhäusern (Quelle: DGINA)

Gemäß Veröffentlichung der Deutsche Gesellschaft Interdisziplinäre Notfallaufnahme
(DGINA e.V.) vom 17.09.2010 steigt die Zahl der Patienten, die als Notfälle in die Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser kommen dramatisch und wird weiter steigen. Insgesamt 16 Millionen Menschen brauchen inzwischen jährlich die Hilfe der Notfallexperten. Noch vor fünf Jahren waren dies lediglich 13,5 Millionen, womit die Notaufnahmen eine Steigerung der Patientenzahlen um 16,6 Prozent erleben. Allein die Zahl der stationär aufgenommenen Patienten erhöhte sich nach Daten des Statistischen Bundesamtes 2008 auf 6,32 Millionen um fast 1 Million im Vergleich zu 2005 mit damals noch 5,42 Millionen Patienten. Gleichzeitig steigt mit dem Durchschnittsalter der Bevölkerung auch das Alter der Notfallpatienten weiter an.

Neubauplanung Interdisziplinäre Notaufnahme INA

Unter Beteiligung der Aufsichtsratsmitglieder und der direkt im Projekt involvierten Mitarbeiter des Klinikum Niederberg, der ausführenden Bauunternehmung sowie des Architekten wurde am 8. Oktober 2010 symbolisch der Grundstein für den Neubau der Interdisziplinären Notaufnahme am Klinikum Niederberg gelegt.

Damit beginnt für das Klinikum Niederberg die sichtbare Umsetzung eines der größten Projekte seit Inbetriebnahme Ende der 1970er Jahre. Allein die Um- und Neubaumaßnahmen umfassen ein Gesamtvolumen von rund 2,5 Millionen Euro.

Innerhalb der nächsten rund zehn Monate wird der Neubau entstehen und technisch sofort mit dem zu sanierenden Altbestand verbunden. Dafür waren umfangreiche Vorlaufmaßnahmen erforderlich, die seit dem Frühsommer umgesetzt wurden.

Die Strukturen der neuen INA

Damit ist auch die strukturelle Veränderung auf den Weg gebracht. Der Wartebereich wurde den zukünftigen Bedürfnissen bereits angepasst und in diesem Zuge der gesamte Flur im Bereich der Patientenanmeldung und der Anmeldetheke für die Radiologie modernisiert. Sozusagen ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die Patienten und Besucher mit der neuen INA erwartet. Darüber hinaus musste ein Teil des Krankenhauspersonals in andere Räumlichkeiten umziehen, die entsprechend neu eingerichtet wurden.

Die Einrichtung von Interdisziplinären Notaufnahmen ist eine noch recht junge Entwicklung in deutschen Krankenhäusern, die aber immer stärker Einzug hält. Schon vor einigen Jahren gab es daher auch am Klinikum Niederberg die ersten Überlegungen, die bisherigen Ambulanzen in eine zentrale Struktur zu überführen.

So etwas funktioniert aber nicht per Handstreich, sondern bedarf langwieriger und sorgfältiger Vorbereitungsarbeit. Bekannte Arbeitsschritte und gewohnte Behandlungspfade sind zu überdenken, verschiedene eigenständige Strukturen in ein neues, gemeinsames System zu übertragen, Qualitätsrichtlinien zu erfüllen und nicht zuletzt möglicherweise notwendige bauliche Veränderungen durchzuführen.

Die „Projektgruppe INA“ am Klinikum Niederberg steht seit 2009 unter der Leitung von Sabine Wisniewski. Nachdem alle Vorbedingungen genauestens geprüft und durchgeplant waren, konnte mit der Umsetzung begonnen werden. Ein erster interdisziplinärer Erfolg war die Zulassung als „Regionales Traumazentrum im Traumanetzwerk Ruhrgebiet“ Anfang Februar dieses Jahres. Für das Zertifikat waren umfangreiche Qualitätsrichtlinien zu erfüllen, die eine zügige Notfallversorgung sicherstellen. Dazu zählten die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachabteilungen, die Organisation von Patientenströmen sowie als ganz wesentliches Fundament das Zusammenspiel zwischen Klinikpersonal, niedergelassenen Ärzten und den Rettungsdiensten. Permanente Schulungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Optimierung bestehender Prozesse begleiteten tagtäglich die Arbeit in der INA.

Der Leuchtturm

Die neue INA ist für das Klinikum Niederberg deutlich mehr als nur eine einfache Baumaßnahme. Sie ist auch Symbol für die Anpassung an das moderne Gesundheitswesen. Neben knappen Budgets zeichnet sich das insbesondere durch steigende Patientenkontakte und die zunehmende Forderung nach Spezialisierung, Zentralisierung und nachhaltige Qualitätssicherung aus. Alle diese Attribute werden in der neuen INA am Klinikum Niederberg erfüllt. Dabei richtete sich die Planung der baulichen Veränderungen nach den Bedürfnissen der zu verändernden Strukturen.

Mit der INA geht das Klinikum Niederberg einen wichtigen Schritt in Richtung verbesserter Patientenversorgung und des konkurrenzfähigen Erhalts in kommunaler Trägerschaft.

Letzte Änderung: 04.10.2011

Projektleitung INA

Sabine Wisniewski
Stellv. Leitung Leitstelle

Tel.: 02051 982-1091
Wisniewski@klinikum-niederberg.de