Proktologie
Diagnostische Verfahren
Die Ärzte am Klinikum Niederberg verfügen über eine umfangreiche Palette an diagnostischen Maßnahmen, aus denen genau die Untersuchungsmethoden ausgewählt werden können, die individuell für den einzelnen Patienten sinnvoll erscheinen.
Herzstück einer jeden Diagnostik ist jedoch keine technische Innovation, sondern das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient (die subjektive Anamnese). Zusätzlich zur proktologischen Grunduntersuchung können in enger Kooperation mit den Gastroenterologen und Radiologen im Haus weitere spezialisierten Untersuchungen erfolgen.
Folgende Untersuchungsmethoden werden angeboten:
- Proktoskopie (Enddarmspiegelung)
- Rektoskopie (Mastdarmspiegelung)
- Coloskopie (komplette Dickdarmspiegelung)
- Manometrie (Druckmessung des Schließmuskels)
- Endosonographie (Ultraschall des Mastdarms)
- MR-Defäkographie (Dynamische Kernspin-Untersuchung)
- MRT (Magnetresonanztomographie)
- CT (Computertomographie)
Anal-Erkrankungen
Hämorrhoiden
Die Hämorrhoidalblutgefäße bilden im Enddarmbereich ein natürliches Polster und dichten zusammen mit dem Schließmuskel den After ab. So ist die Kontinenz zum Beispiel auch im Schlaf gewährleistet. Durch harten Stuhl und Pressen beim Stuhlgang werden diese Polster nach unten gedrängt und vergrößern sich so kontinuierlich. Der Schweregrad der Erkrankung wird wie folgt eingeteilt:
- Stadium I: Innere, schmerzlose und nicht sichtbare Hämorrhoiden, teils mit Blutauflagerungen am Toilettenpapier, Fremdkörpergefühl am After, Juckgefühl
- Stadium II: Tastbare, knotige Hämorrhoiden beim Pressen, Schmerzen beim Stuhlgang, teilweise mit Rötung des Afters
- Stadium III: Sichtbarer Vorfall der Hämorrhoiden, die jedoch zurückdrückbar sind, zusätzlich teilweise mit Schleimabgang aus dem After
- Stadium IV: Nicht mehr zurückdrückbare, vorgefallene Hämorrhoiden, starke Schmerzen, blutige Einklemmung
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlungsmöglichkeiten variieren in Abhängigkeit von der Ausprägung der Erkrankung. Während im Anfangsstadium eine Salbenbehandlung hilfreich ist, sind bei fortgeschrittener Erkrankung folgende Therapiemöglichkeiten international anerkannt:
- Gummibandligatur (Barron-Ligatur)
- Mit einem Spezialinstrument wird ein kleines Gummiband in einem ambulanten Eingriff auf die vergrößerte Hämorrhoide (Stadium I und II) aufgesetzt. Die Blutzufuhr des Hämorrhoidenknotens wird so „abgschnürt“ und nach einigen Tagen fällt das Knötchen schmerzlos ab. Bei größeren Hämorrhoiden kann der Eingriff wiederholt werden.
- Methode nach Ferguson
- Bei dieser Technik werden mercedessternförmig angelegten Hämorrhoiden operativ mit einem Hochfrequenz-Elektro-Skalpell entfernt. Die kleinen Wunden werden mit selbstauflösenden Fäden verschlossen. Ein kurzer Krankenhausaufenthalt sollte eingeplant werden.
- Methode nach Longo
- Bei dieser Operationsmethode wird oberhalb der Hämorrhoiden ein blutzuführender Schleimhautring aus dem Enddarm mit einem Klammernahtgerät entfernt. Der stationär durchgeführte Eingriff findet oberhalb des Schließmuskels in einer nervenfreien Zone statt und ist damit besonders schmerzarm.
Analfissur
Kleine Einrisse am Darmausgang werden häufig durch harten Stuhl in Kombination mit einer Schließmuskelüberfunktion beobachtet. Es kommt zu stärksten Schmerzen während des Stuhlgangs. Im Anfangsstadium kann man der Fissur durch eine Salbenbehandlung entgegentreten. Bei längerem Verlauf muss die Fissur abgetragen werden, gleichzeitig wird der Schließmuskel geweitet (Fissurektomie). Nur noch in Ausnahmefällen ist eine operative Kerbung des Schließmuskels notwendig (Laterale Sphinkterotomie).
Analfistel / Analabszess
Wenn sich vom Mastdarm ein krankhafter Verbindungsgang zur Hautoberfläche ausbildet, spricht man von einer Analfistel. Teilweise treten diese Gangsysteme durch den Schließmuskel oder in die Beckenbodenmuskulatur und führen zu einer Vereiterung (Analabszess). Eine chronische Fistelbildung und der andauernde Entzündungsprozess können die Schließmuskelfunktion nachhaltig verschlechtern. Daher ist in der Regel die operative Therapie notwendig.
Hat sich eine Analfistel verschlossen und ist entzündet, kommt es zur Ausbildung einer Vereiterung (Analabszess). Dieses ist ein äußerst schmerzhaftes und akutes Ereignis, das mit einer Rötung und Fieber einhergeht. Das Allgemeinbefinden ist in Mitleidenschaft gezogen, in seltenen Fällen können die Bakterien ins Blut geschwemmt werden (Analsepsis). Zunächst wird der Abszess operativ entfernt und eine ursächliche Fistel nach Möglichkeit identifiziert. Nach vier bis sechs Wochen, wenn die akute entzündliche Phase überwunden ist, folgt eine proktologische Untersuchung zur Fistelsuche.
Perinalthrombose / Marisken
Beim starken Pressen können akut in den äußeren Analhautblutgefäßen Gerinnsel entstehen, die sich als blaue, schmerzhafte Knötchen bemerkbar machen. Im frischen Stadium der ersten drei Tage kann man das Blutgerinsel problemlos unter lokaler Betäubung entlasten, danach wird das Knötchen in einem kleinen ambulanten Eingriff komplett entfernt.
Bei Marisken handelt es sich um harmlose Hautfalten im Analbereich, die häufig den Restzustand abgeheilter Analthrombosen darstellen. In der Regel machen Marisken neben einem Fremdkörpergefühl keine Beschwerden, sind jedoch lästig bei der Analhygiene. Die operative Abtragung dieser Hautfalten ist ambulant schmerzfrei unter lokaler Betäubung möglich.
Stuhlinkontinenz
Geht die Fähigkeit verloren, Stuhl und Luft willkürlich zu kontrollieren, spricht man von Inkontinenz. Obwohl die Ursachen und Ausprägungen dieser Funktionsstörung sehr verschieden sind, führt sie doch immer zu Verunsicherung und stark eingeschränkter Lebensqualität. Dieses sensible Gebiet der Proktologie erfordert neben einer exakten Funktionsdiagnostik (Analmanometrie, Defäkographie etc.) ein individuelles Therapiekonzept: Physikalische Maßnahmen wie Training der Beckenbodenmuskulatur bis hin zu speziellen operativen Eingriffen (Sphincter-Repair, Levatorplastik etc.) werden auf den Patienten abgestimmt.
Chefarzt
Dr. med. Devid Tusek
Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, Proktologie, Sportmedizin
Gastdozent am Weifang Medical College (China)
Mitgliedschaften:
- Deutsche Gesellschaft für Chirurgie
- Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie
- Berufsverband Deutscher Chirurgen
- Vereinigung der Coloproktologen an Rhein und Ruhr
Ltd. Oberarzt
Dr. med. Gerd Blanke
Facharzt für Chirurgie
und Viszeralchirurgie
Oberarzt
Dr. med. Jörg Barkus
Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie
Sekretariat
Kornelia Fachin
Tel. 02051 982-2001


Informationsbroschüre zum Download [345,7 kB]