Klinikum Niederberg ist Teil des größten Traumanetzwerks Deutschlands

Klinikum Niederberg ist als Regionales Traumazentrum zertifiziert
Dr. Peter Klever (Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie) und Sabine Wisniewski (Projektleiterin Interdisziplinäre Notaufnahme „INA“) beide Klinikum Niederberg, erhielten die Urkunde als Mitglied im „Traumanetzwerk Ruhrgebiet“ (

Im Rahmen des Festaktes zur Ausrufung des Traumanetzwerks Ruhrgebiet erhielt auch das Klinikum Niederberg am 7. April 2011 das Zertifikat als „Regionales Traumazentrum im Traumanetzwerk DGU TNW Ruhrgebiet“ überreicht. Das Netzwerk hat sich gegründet, um schwerstverletzten Unfallopfern in der Region schnellstmöglich und hochprofessionell Hilfe leisten zu können. Dauerfolgen von schweren Verletzungen sollen so vermindert und die Kommunikation zwischen den beteiligten Kliniken verbessert werden. 

„Schnelles und zielgenaues Handeln ist ein entscheidender Faktor, um Patienten nach einem schweren Unfall erfolgreich helfen zu können. Durch das Traumanetzwerk stärken wir die Versorgungsstrukturen in unserer Region  und gewährleisten eine noch schnellere qualifizierte Behandlung von Unfallopfern“, erläutert Prof. Dr. Thomas Armin Schildhauer, Direktor der Chirurgischen Klinik des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil.

Dr. Peter Klever, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Niederberg ergänzte: „Im Traumanetzwerk Ruhgebiet haben sich leistungsstarke und erfahrene Partner zusammengetan. So können wir mit vereinten Kräften für jeden Unfallpatienten die jeweils bestmögliche Behandlung anbieten.“ Neben den Kliniken sind daran auch die Rettungsdienste aus dem gesamten Gebiet beteiligt.

 

Das Traumanetzwerk Ruhrgebiet ist das größte seiner Art in Deutschland. In ihm arbeiten vier überregionale, sechs regionale und 20 lokale Traumazentren zusammen – von Geldern am Niederrhein über das Ruhrgebiet und Bergische Land bis hin nach Lippstadt. „Das Netzwerk will eine bedarfsgerechte und schnelle Versorgung schwer- und schwerstverletzter Patienten gewährleisten. Jedem Verunfallten wird garantiert, binnen 30 Minuten in einer auf schwere Traumata spezialisierten Klinik erstversorgt und behandelt zu werden“, erläutert PD Dr. Sven Lendemans, Klinik für Unfallchirurgie am UK Essen und Koordinator des Traumanetzwerks Ruhrgebiet. 

Mit der Gründung des Netzwerks wollen die beteiligten Kliniken auch die vorhandenen Strukturen und Ressourcen in den Krankenhäusern verbessern. Die überregionalen und regionalen Traumazentren halten schon jetzt eine Vielzahl von ärztlichen Disziplinen, Computertomographie, einen technisch hochwertigen Schockraum und einen Operationssaal zur Erstversorgung der Patienten vor. Durch die Netzwerkstruktur können Großschadensereignisse sowie Patientenaufnahmen und Weiterverlegungen bei Kapazitätsengpässen in Zukunft besser koordiniert werden.

Bereits im Februar vergangenen Jahres war das Klinikum Niederberg durch die Mainzer Firma DIOcert erfolgreich zertifiziert worden. Vorangegangen war ein intensiver Prozess, der sich mit Qualitätsrichtlinien und Prozessverbesserungen auseinanderzusetzen hatte. Allein die Ausarbeitungen für das Schockraummanagement benötigten mehrere Wochen. Auch die Fortbildung der Mitarbeiter hatte viel Zeit in Anspruch genommen. So wurden die Ärzte zu einer renommierten Traumatologie-Fortbildung nach Velbert eingeladen. Insgesamt 17 Ärzte, darunter neun aus dem Klinikum Niederberg, nahmen damals an dem Kurs „Advanced Trauma Life Support – ATLS“ teil, der von der Münchener „Akademie der Unfallchirurgie GmbH“ in der Velberter Feuerwache durchgeführt wurde. Einer der Höhepunkte dieser Fortbildung ist der Einsatz von Laienschauspielern, die das Prüfungsszenario sehr authentisch machten.

Traumazentrum

Nach schweren Unfällen ist Eile geboten, nicht für den Rettungsdienst und den Notarzt. Das Regionale Traumazentrum am Klinikum Niederberg leistet kompetente, schnelle und jetzt auch zertifizierte Hilfe. (Foto: Philip Kistner)

Gegen einen Unfall ist niemand gefeit. Ob bei der Arbeit, beim Sport oder im Verkehr: die Gefahr für ernsthafte Verletzungen lauert überall. Eine schnelle und qualitativ hochwertige Versorgung des Opfers ist nach einem Unfall meist lebensnotwendig. So genannte Traumanetzwerke liefern für diese Versorgung das notwendige medizinische Netzwerk. Dieses ermöglicht den Rettungsdiensten, in Sekundenschnelle zu entscheiden, in welches Krankenhaus der Patient zur Traumabehandlung gebracht werden kann.
Das „Traumanetzwerk Ruhrgebiet“ wurde 2008 in Essen gegründet. In einem ersten Schritt wurden alle Kliniken, die sich mit ihrem Leistungsspektrum beteiligen wollten, erfasst. Die Aufnahme möglichst vieler Krankenhäuser aus der Region sollte bestehende Kommunikationsstrukturen verbessern und eine optimierte Patientenversorgung durch die Einigung auf standardisierte Qualitätsmaßstäbe gewährleisten. Das Ziel des Traumnetzwerkes ist die vereinheitlichte Versorgung Schwerverletzter und der Nachweis der fachlichen Qualifikation zur Schwerstverletztenversorgung aller am Netzwerk beteiligten Krankenhäuser.
Ende Februar erhielt das Klinikum Niederberg die Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und zählt seitdem zu den regionalen Traumazentren im Traumanetzwerk Ruhrgebiet. Für Dr. Peter Klever, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie im Klinikum Niederberg, eine besondere Auszeichnung. „Darauf haben wir hingearbeitet. Die Zertifizierung ist für uns auch eine Qualitätsauszeichnung.“ Geprüft wurde das Klinikum Niederberg durch ein Audit der Mainzer Firma DIOcert. „Dem Audit vorangegangen war ein intensiver Prozess, der sich mit Verbesserungen von Abläufen und der Zusammenarbeit der einzelnen Fachdisziplinen im Krankenhaus beschäftigt hatte“, so Dr. Peter Klever. Ein Traumazentrum muss unter anderem gewährleisten, dass jederzeit ein entsprechendes Ärzte- und Mitarbeiterteam im Schockraum (Reanimationsraum) bereitsteht, damit schwerstverletzte oder lebensgefährlich verletzte Patienten optimal erstversorgt werden können. Um in diesem Bereich auf den Stand eines Traumzentrums zu kommen, hatten sich die Mitarbeiter intensiv mehrere Wochen lang vorbereitet. Denn nicht nur das schnelle Eintreffen des Teams, bestehend aus zehn Ärzten (Unfall- und Viszeralchirurgie, Anästhesie, Radiologie) und medizinischem Personal (Ambulanz-, Anästhesiepflege, Radiologie, Labor) das bei der Ankunft des Patienten vollständig anwesend sein muss, sondern auch routinierte Abläufe sind wichtige Voraussetzungen. Zusätzlich müssen weitere Spezialisten aus allen anderen Abteilungen des Klinikums abrufbar sein. Bei Schwangeren zum Beispiel erweitert sich das Team um Gynäkologen, bei Patienten unter 15 Jahren um Pädiater.
Zu der Vorbereitung der Mitarbeiter des Klinikums gehörte auch der Besuch von Fortbildungen, wie die renommierte Traumatologie-Fortbildung in Velbert. Auch die Teilnahme an einem entsprechenden Trauma-Kurs (ATLS) der Münchner Akademie für Unfallchirurgie gehörte zum Vorbereitungsprogramm. Hier konnten die Ärzte des Klinikums die Abläufe zusammen mit Laienschauspielern unter annähernd realistischen Bedingungen trainieren.